Raum für Sein – warum wir ihn heute brauchen
- Martina Ertl
- Jan 16
- 2 min read
Wir leben in einer Zeit, in der vieles gleichzeitig geschieht und in der kaum Raum bleibt, innezuhalten, bevor neue Anforderungen, Entscheidungen oder Erwartungen auftauchen. Oft sollen wir bereits wissen, wie es weitergeht, während wir innerlich noch dabei sind zu spüren, was überhaupt stimmig ist.
Ich habe in meiner Konzernrolle oft funktioniert, reagiert und Verantwortung getragen – und dabei langsam den Kontakt zu mir selbst verloren. Nicht abrupt, sondern leise, im Alltag, zwischen Terminen, Ansprüchen und dem Versuch, allem gerecht zu werden und sich keine Fehler zu erlauben.
Was dann fehlt, ist selten noch ein weiterer Impuls von außen. Was fehlt, ist Raum.
Ein Raum für Sein ist kein Ort der Leistung, sondern ein Raum der Wahrnehmung. Ein Raum, in dem nichts optimiert oder gelöst werden muss, sondern in dem du mit dem da sein darfst, was gerade in dir lebendig ist – auch dann, wenn es noch unklar, widersprüchlich oder leise oder schmerzhaft ist.
Wenn Erwartungen für einen Moment wegfallen, wenn kein Ziel erreicht werden muss, kann sich etwas entspannen. Der Atem wird ruhiger, der Körper meldet sich, Gedanken werden langsamer.
Ich sehe aber auch oft, dass diese Momente Widerstand und Unruhe auslösen. Das innere Stresssystem ist auf Gefahr und Erledigen gepolt und kann ganz schwer abschalten. Ich hab mich manchmal erlebt, dass ich auf der Couch saß und endlich hätte entspannen können – stattdessen bin ich aufgesprungen und hab mir das nächste To Do gesucht. Da war mir dann klar, dass es Zeit ist etwas zu ändern. Im Außen und im Innen. In solchen Phasen hab ich mir immer Begleitung geholt - dafür bin ich mir selbst dankbar. Man muss nicht alles allein schaffen.
Im Innehalten entsteht oft eine stille Form von Klarheit – nicht als schnelle Antwort, sondern als inneres Wissen, das sich zeigt, wenn es Raum bekommt. Vielleicht eine Grenze oder eine Sehnsucht. Vielleicht einfach das Bedürfnis, einen Moment nicht stark und cool sein zu müssen.
Raum für Sein ist eine Einladung, dieser inneren Bewegung Aufmerksamkeit zu schenken und sich selbst wieder zuzuhören – nicht um schneller voranzukommen, sondern um stimmiger weiterzugehen.
Kurzimpuls
Was geschieht, wenn nichts von dir erwartet wird?
Taucht Stille auf? Widerstand? Erleichterung? Freude?
Was immer sich zeigt, ist ein Anfang.
Vielleicht magst du dir das Video anschauen und 3 tiefe Atemzüge nehmen. Einfach so.


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