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No-Input-Jänner oder: Enoughuary für den Kopf

  • Writer: Martina Ertl
    Martina Ertl
  • Jan 7
  • 3 min read


No-Input-Jänner. Oder vielleicht eher: Enoughuary.


Wie ihr vielleicht auch höre ich gerade gefühlt vier Podcasts gleichzeitig, habe drei Fachbücher zur Hälfte gelesen neben meinem Bett liegen, bekomme diverse Newsletter, die mich regelmäßig dazu verführen, mich für Webinare anzumelden, für die ich dann eh keine Zeit habe – aber man könnte ja später die Aufzeichnung anschauen! 🙃


Im Dezember war ich bei zwei digitalen Adventskalendern angemeldet. Beim ersten habe ich mir täglich etwa 30 Sekunden eines Videos angesehen. Beim zweiten habe ich das tägliche Journaling… am 31.12. in einer Speed-Reflexion nachgeholt.

Wenn ich ehrlich bin: Das ist kein Impulse-holen. Das ist kein Lernen. Das ist ganz sicher kein Integrieren.

Das ist Konsumieren.

Und noch ehrlicher: Es ist auch ein Versuch von Kontrolle.


Wenn Wissen zur Beruhigung wird

Wir leben in einer Zeit, in der Wissen jederzeit verfügbar ist. Für jede Unsicherheit gibt es einen Podcast. Für jede Frage ein Buch. Für jede diffuse Angst ein Webinar mit fünf Schritten, drei Modellen und einer Methode, die endlich Klarheit bringt.

Und genau da wird es spannend.

Denn oft konsumiere ich Informationen nicht, weil ich wirklich lernen will – sondern weil ich versuche, ein inneres Gefühl zu regulieren: Unsicherheit. Überforderung. Nicht-genug-sein. Nicht-bereit-sein.

Noch ein Buch, dann bin ich soweit. Noch ein Podcast, dann verstehe ich es wirklich. Noch ein Framework, dann habe ich es im Griff.

Kognitives Wissen wird zur emotionalen Kompensation.


Die Illusion von Wirksamkeit

Das Problem: Dieses Wissen setzt sich nicht.

Es bleibt an der Oberfläche, stapelt sich, konkurriert miteinander. Verschiedene Stimmen, verschiedene Wahrheiten, verschiedene Ansätze – und am Ende ein Kopf, der voller ist als vorher, aber kein bisschen klarer.


Mich macht das nicht wirksamer. Im Gegenteil.

Je mehr Input ich konsumiere, desto weniger vertraue ich meinem eigenen Spüren. Je mehr ich weiß, desto schwerer fällt es mir manchmal, zu entscheiden.


Wir verwechseln Informiertsein mit Transformation. Dabei ist Transformation ein langsamer, oft stiller Prozess – und selten kompatibel mit Dauerbeschallung.


Input ist nicht das Problem. Timing schon.

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Lernen. Ich liebe gute Gedanken, kluge Worte, inspirierende Gespräche. Input an sich ist nichts Schlechtes.

Aber Input ohne Raum ist wie Essen ohne Verdauung. Irgendwann fühlt man sich einfach nur voll, träge, übersättigt.

Was fehlt, ist Zeit zum Absinken. Zeit zum Leerwerden. Zeit, um wieder zu hören, was von innen auftaucht.

Und genau deshalb: Input-Diät.


Warum gerade im Jänner?

Der Jänner ist prädestiniert dafür, mit neuem Elan in die gleichen Muster zu starten. Mehr Ziele. Mehr Pläne. Mehr Optimierung. Mehr Content, der uns sagt, wie wir dieses Jahr endlich richtig angehen.

Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, einmal nichts hinzuzufügen. Weil Bewegung aus Stille oft klarer entsteht als aus Daueraktion.

No-Input-Jänner heißt für mich:

  • keine Podcasts

  • keine neuen Bücher anfangen

  • Newsletter abbestellen oder zumindest ignorieren

  • keine Webinare „für später“ buchen

Stattdessen: Verdauen. Spüren. Beobachten, was hochkommt, wenn niemand mir erklärt, wie es geht.


Weniger wissen, mehr werden

Vielleicht müssen wir nicht mehr wissen. Vielleicht müssen wir mehr werden, was wir längst wissen. Weniger aufnehmen. Mehr integrieren. Weniger kompensieren. Mehr vertrauen. Das ist nicht populär in dieser wissensbegeisterten Welt. Aber dass die uns nicht immer guttut, wissen wir alle.


No-Input-Jänner ist für mich kein Rückzug aus der Welt – sondern ein Zurückkommen zu mir. Enoughuary für den Kopf. Und vielleicht auch ein bisschen für mein Herz.


Was, wenn dein nächster Entwicklungsschritt nicht in mehr Wissen liegt, sondern in weniger Input?

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