Was genau macht ein systemischer Coach und warum der Ansatz mir manchmal nicht reicht
- Martina Ertl
- Mar 6
- 2 min read
Vielleicht hast du schon von systemischem Coaching gehört, aber was steckt eigentlich dahinter? Die Grundidee ist: Menschen lassen sich nicht isoliert verstehen, sondern immer im Zusammenhang mit ihren Beziehungen, Rollen und Systemen.
Das bedeutet: Du bist Teil eines Systems - sei es Familie, Team oder Organisation. Veränderungen in einem Teil wirken sich auf das Ganze aus. Der Coach hilft dir, diese Zusammenhänge zu erkennen und neue Wege zu finden, um Herausforderungen zu meistern.
Ich finde diese Perspektive oft sehr hilfreich, weil manche Probleme nicht "im Individuum" zu lösen sind, ohne dass man sich die Beziehungen und Wechselwirkungen innerhalb des Systems anschaut
Deshalb wird nicht nur gefragt „Was ist dein Problem?“, sondern auch:
Welche Personen spielen in der Situation eine Rolle?
Welche Erwartungen oder Rollen wirken auf dich ein?
Welche Dynamiken gibt es in deinem Umfeld?
In welchen Beziehungen besteht das Problem NICHT?
Welchen Gewinn hat das System von deinem Problem?
usw.
Durch diese Perspektive können neue Handlungsmöglichkeiten sichtbar werden.
Methoden im systemischen Coaching
Als systemischer Coach arbeite ich mit verschiedenen Methoden, um Denkprozesse anzuregen. Dazu gehören beispielsweise:
systemische Fragen (zirkuläre oder lösungsorientierte Fragen)
Perspektivwechsel
Aufstellungen (z. B. mit Figuren oder Symbolen)
Visualisierungen
Ressourcenarbeit
Ich als Coach muss dafür dein Thema gar nicht zu 100% im Detail verstehen. Die ausführliche Problemanalyse führt oft mehr Energie zum Problem als zur Lösung.
Systemisches Coaching befähigt Menschen, ihre Situation besser zu verstehen und eigene, stimmige Entscheidungen zu treffen.
Oft entstehen dadurch:
mehr Klarheit
neue Perspektiven
größere Handlungsspielräume
mehr Selbstvertrauen im Umgang mit Herausforderungen
Warum mir der systemische Ansatz manchmal nicht reicht
Hin und wieder merke ich, dass es Zeit ist, die Gesprächsebene zu verlassen und den Körper und das Fühlen stärker mit einzubeziehen. Unsere kognitiven Anteile wissen manchmal weniger als unser Unterbewusstsein.
Dann arbeite ich mit dem Nervensystem, mit den Emotionen, mit Embodimenttechniken. Beziehungsweise meine Klient*innen arbeiten damit und ich halte den Raum dafür.
Oft zeigen sich dort Informationen, die im reinen Gespräch verborgen bleiben. Der Körper reagiert schneller und ehrlicher als unser Verstand. Spannungen, innere Unruhe oder auch ein Gefühl von Weite können Hinweise darauf sein, was wirklich stimmig ist – oder eben nicht. Wenn wir lernen, diese Signale wahrzunehmen, entsteht ein tieferes Verständnis für die eigene Situation. Entscheidungen werden dann nicht nur „logisch richtig“, sondern fühlen sich auch innerlich passend an.
Genau an diesem Punkt verbindet sich für mich systemisches Denken mit körperorientierter Arbeit – und Coaching wird zu einem Prozess, der Kopf, Körper und Emotionen gleichermaßen einbezieht.



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